20.03.2026 › Kleines Haus 1

Der Fall Erich Ponto

Künstler*innen zwischen Anpassung und Mittäterschaft in der Diktatur
Symposium mit Vorträgen und Podiumsgesprächen
eine Veranstaltung des Staatsschauspiels Dresden in Kooperation mit dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden, dem Förderverein Staatsschauspiel Dresden e. V., der Sächsischen Akademie der Künste und dem Dresdner Geschichtsverein

Angestoßen durch einen Beitrag von Oliver Reinhard in der Sächsischen Zeitung, ist die Biografie des Schauspielers und Intendanten Erich Ponto zum Gegenstand einer neuen Untersuchung über die Rolle dieses Künstlers in der Theater- und Filmproduktion in der Zeit des Nationalsozialismus geworden. Die Tatsache, dass Ponto als Schauspieler in Propagandafilmen der NS-Diktatur mitgewirkt hat, darunter dem anti­semitischen Propagandafilm DIE ROTHSCHILDS, war bekannt. Dennoch wurde Erich Ponto in der Nachkriegszeit und bis in die Gegenwart hinein als unbelasteter Künstler betrachtet, ein Ehrengrab und eine Straße mit seinem Namen zeugen in Dresden davon, ebenso ist er als Ehrenmitglied des Staatsschauspiels Dresden geführt und der Nachwuchspreis des Fördervereins Staatschauspiel Dresden e. V. ist nach ihm benannt. Im Auftrag des Staatsschauspiels Dresden hat eine umfangreiche Recherche durch das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater stattgefunden, deren Ergebnisse am 20. März 2026 präsentiert und diskutiert werden.

Kontextualisiert wird diese Aufarbeitung durch die Analyse vergleichbarer Biografien und der Methoden antisemitischer Propaganda im Nationalsozialismus. Entspricht die Geschichte Erich Pontos dem Muster einer Anpassungs­biografie in der Diktatur? Welches Bild ergibt sich aus dem gegenwärtigen Stand der Forschung und welche Schlussfolgerungen lassen sich ableiten? In Vorträgen und zwei Podiumsgesprächen geht das Symposium diesen Fragen nach und lädt zur Diskussion ein.

Partner

Eine Veranstaltung des Staatsschauspiels Dresden in Kooperation mit dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden, der Sächsischen Akademie der Künste, dem Förderverein des Staatsschauspiels Dresden e. V. und dem Dresdner Geschichtsverein e. V.

Termine

http://www.staatsschauspiel-dresden.de/
Staatsschauspiel Dresden
Theaterstraße 2, 01067 Dresden
20
Fr
Mrz
10.00 – 16.00 Uhr
Kleines Haus 1
Künstler*innen zwischen Anpassung und Mittäterschaft in der Diktatur
Symposium mit Vorträgen und Podiumsgesprächen
Eintritt frei.

Hinweis

Es erfolgt eine Audioaufzeichnung und eine Fotodokumentation der Veranstaltung (inkl. Podiumsdiskussion) zum Zwecke der Veröffentlichung und weiteren Verwertung durch das Staatsschauspiel Dresden und Dritte.

Nichtautorisiertes Fotografieren und Filmen ist während der Veranstaltung nicht gestattet.

Programm

10.00 Uhr Begrüßung Joachim Klement

Anmoderation Jörg Bochow

Vortrag Sören Frickenhaus

ERICH PONTO UND DIE NS-VERGANGENHEIT – EINBLICK IN NEUE RECHERCHEN

Vortrag Bernhard Gotto

NACHHOLENDE DISTANZ: FILMSCHAFFENDE IN DER NS-DIKTATUR / FILMFUNKTIONÄRE IN DER BUNDESREPUBLIK

Vortrag Jürgen Müller

DER EWIGE JUDE ALS GESCHÄFTSMODELL – ANTISEMITISMUS IM KINO DER WEIMARER ZEIT

11.40 – 12.00 Uhr Kaffeepause im Glacis No. 28

Vortrag Justus H. Ulbricht

THEATER ALS „MORALISCHE ANSTALT“? – PERSONELLE KONTINUITÄTEN AUF SÄCHSISCHEN BÜHNEN NACH 1945

Vortrag Andreas Kötzing

WARUM SO SPÄT? – NEUE IMPULSE ZUM UMGANG MIT KÜNSTLERBIOGRAPHIEN UND FUNKTIONÄREN AUS DEM NS-FILMWESEN NACH 1945

Podiumsdiskussion

DER FALL ERICH PONTO IM HISTORISCHEN KONTEXT

mit Sören Frickenhaus, Bernhard Gotto, Andreas Kötzing, Jürgen Müller, Justus H. Ulbricht

Moderation Jörg Bochow

13.30 – 14.30 Uhr Mittagspause im Glacis No. 28

Podiumsdiskussion

ERICH PONTO UND DER UMGANG MIT SEINER BIOGRAFIE HEUTE

mit David Klein (Amtsleiter für Kultur und Denkmalschutz Stadt Dresden), Joachim Klement (Intendant Staatsschauspiel Dresden), Oliver Reinhard (Leiter Feuilleton Sächsische Zeitung), Birgit Sack (Leiterin der Kommission Ehrengräber Stadt Dresden), Jens Zander (Präsident Förderverein Staatsschauspiel Dresden e. V.)

Moderation Caroline Förster

16.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Mitwirkende

Dr. Jörg Bochow

ist Theaterwissenschaftler sowie seit der Spielzeit 2017/2018 Chefdramaturg und stellvertretender Intendant am Staatsschauspiel Dresden. Von 1994 bis 2000 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft / Kulturelle Kommunikation an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2000 bis 2005 war er als Assistant Professor für Theater- und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of Toronto tätig und wurde 2004 Geschäftsführender Direktor des University College Drama Program. Zudem veröffentlicht er zahlreiche wissenschaftliche Bücher und Aufsätze in Deutsch und Englisch.

Dr. Caroline Förster

ist seit 2021 Geschäftsführerin des Dresdner Geschichtsvereins und gibt in dieser Funktion die DRESDNER HEFTE heraus. Die promovierte Historikerin engagiert sich in verschiedenen Ehrenämtern, so zum Beispiel beim Dresdner Romantik e. V. und bei Memorare Pacem e. V. – einem Verein, der sich seit 1990er Jahren mit den Fragen der Erinnerungskulturen in ­Dresden beschäftigt. Sie ist Mitglied im Kulturbeirat sowie im Beirat Erinnerungskulturen der Landeshauptstadt Dresden.

Sören Frickenhaus

ist Musikwissenschaftler und seit Mai 2024 Mitarbeiter am Historischen Archiv der Sächsischen Staatstheater. Untersuchungen zu Institutionen und Akteuren des Dresdner Kulturbetriebs im NS-Staat führten ihn bereits zur Beschäftigung mit der Sächsischen Staatskapelle, dem Kapellmeister und Komponisten Kurt Striegler oder den verfolgten Komponisten Paul Büttner und Arthur Chitz.

Dr. Bernhard Gotto

arbeitet seit 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München, wo er das Forschungscluster „Demokratien und ihr historisches Selbstverständnis“ leitet, außerdem ist er Sprecher des am IfZ angesiedelten Arbeitskreises „Demokratie und Geschlecht“. Er hat sich intensiv mit der Gesellschaftsgeschichte der NS-Diktatur und der bundesdeutschen Demokratie beschäftigt. Im Januar 2025 ist sein Buch über „Verwaltungskultur, Diktaturerfahrung und Demokratie im 20. Jahrhundert. Das bayerische Finanzministerium von 1919 bis 1979“ erschienen.

Dr. Andreas Kötzing

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden und Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Er forscht zur deutsch-deutschen Kulturgeschichte, Film- und Mediengeschichte im 20. Jahrhundert und zu medialer Erinnerungskultur.

Prof. Dr. Jürgen Müller

hat den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der TU Dresden inne. Er studierte Kunstgeschichte in Bochum, Münster, Pisa, Amsterdam und Paris, war Gastprofessor in Paris, Marburg und Berlin sowie Fellow an zahlreichen Forschungsinstituten. Seine Arbeitsschwerpunkte betreffen die Kunst der frühen Neuzeit, Fotografie und Film.

Dr. Justus H. Ulbricht

studierte Geschichte, Germanistik und Allgemeine Pädagogik in Tübingen (Staatsexamen Lehramt 1979). Von 1995 bis 2009 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klassik Stiftung Weimar, von 2010 bis 2012 an der Universität Magdeburg (Forschungsstelle Moderne Regionalgeschichte). Von 2014 bis 2016 arbeitete er als freier Mitarbeiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Von 2016 bis 2020 war er Geschäftsführer des Dresdner Geschichtsvereins und Redakteur der DRESDNER HEFTE. Seit 2021 ist er wieder freischaffend tätig.