Seit Juli 2026 werden die Foyers und Besucherbereiche des Schauspielhauses umfassend instand gesetzt. Die Baumaßnahme betrifft nahezu alle Ebenen des Vorderhauses: Vestibül, Parkett, 1. Rang und 2. Rang. Sie verbindet die denkmalgerechte Erhaltung der historischen Innenräume mit notwendigen technischen und brandschutztechnischen Erneuerungen.
Das Schauspielhaus wurde 1911 bis 1913 errichtet und am 13. September 1913 als Neues Königliches Schauspielhaus eröffnet. Es gehört zu den architektonisch bedeutenden Theaterbauten seiner Zeit. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen beschreibt den Bau als Rangtheater mit bemerkenswerter Ausstattung und bewertet ihn als baugeschichtlich, künstlerisch und städtebaulich bedeutend. Das Haus wurde 1945 teilweise zerstört, anschließend wiederaufgebaut und 1995 umfassend saniert. Die unterschiedlichen Bau- und Nutzungsphasen sind bis heute im Gebäude ablesbar.
Gestalterischer Bezugspunkt ist die historische Raumfassung der Erbauungszeit von 1913. Wände, Decken, Böden und weitere Ausstattungselemente werden untersucht und, soweit es die Befundlage und der erhaltene Bestand ermöglichen, denkmalgerecht aufgearbeitet. Historische Stuckelemente und die charakteristische Gestaltung der Wandelgänge sollen wieder stärker wahrnehmbar werden. Spiegel, Vorhänge und weitere Ausstattungselemente tragen dazu bei, den historischen Raumeindruck der Foyers wieder erfahrbar zu machen.
Gleichzeitig wird die technische Infrastruktur des Hauses weiterentwickelt. Dazu gehören insbesondere die Erneuerung der Elektroverkabelung, die Einordnung von Elementen der Veranstaltungstechnik und der Informationsdisplays für die Besuchenden sowie brandschutztechnische Maßnahmen. Neue gastronomische Ausgabebereiche werden in den ehemaligen Garderobenbereichen installiert und können dort besser den Anforderungen des Brandschutzes genügen. Damit verbindet die Sanierung den Erhalt des Baudenkmals mit den Anforderungen eines heutigen Theaterbetriebs.
Im Vestibül werden unter anderem Zugänge zur historischen Deckenkonstruktion für die Erneuerung der Elektroinstallation geschaffen.
Auf der Parkettebene wurde der rote Teppich entfernt, das vorhandene Parkett geschliffen und neu versiegelt. Die Gemälde der sogenannten Ahnengalerie wurden gesichert und werden teilweise zur Restaurierung übergeben.
Im 1. Rang stehen die Wiederherstellung der historischen Stuckdecke und die technische Erneuerung im Mittelpunkt.
Im 2. Rang werden Oberflächen, Türen und technische Installationen bearbeitet. Zugleich werden Garderobe und gastronomische Versorgung neu geordnet. Im rechten Foyer ist ein frei zugänglicher Informations- und Ausstellungsbereich zur Geschichte des Hauses vorgesehen.
Die Sanierung wird bewusst in mehreren Bauabschnitten organisiert. Dadurch kann der Spielbetrieb während der Spielzeit 2026/2027 aufrechterhalten werden. Arbeitsbereiche werden vom Publikumsverkehr getrennt; im 1. Rang wurde dafür unter anderem ein geschützter Besuchertunnel eingerichtet. Die abschnittsweise Ausführung ermöglicht es, notwendige Arbeiten im historischen Bestand durchzuführen und gleichzeitig die Nutzung des Schauspielhauses für Vorstellungen fortzusetzen.
Die Fertigstellung der aktuellen Gesamtmaßnahme ist nach der SIB-Medieninformation für die Spielzeiteröffnung im Herbst 2027 vorgesehen. Die genehmigten Gesamtbaukosten betragen 1,6 Millionen Euro. Die Maßnahme wird aus Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts mitfinanziert.
Im Foyer des 1. Ranges sind die Arbeiten während der laufenden Spielzeit besonders sichtbar. Für die Bearbeitung der historischen Deckenflächen wurde ein Raumgerüst errichtet. Ein eingehauster Tunnel führt durch den Arbeitsbereich und trennt die Baustelle vom Besucherweg. Damit können Arbeiten an der Decke stattfinden, während der Zugang für das Publikum und der Spielbetrieb grundsätzlich erhalten bleiben.
Ein wesentlicher Bestandteil der Maßnahme ist die Herrichtung der Decken und ihrer Stuckelemente nach bauzeitlichem Vorbild. Stuck ist nicht nur dekorativer Schmuck: Profilierungen, Ornamente, Übergänge zwischen Wand und Decke und die Gliederung der Deckenflächen bestimmen wesentlich die architektonische Wirkung eines historischen Foyers. Ziel ist deshalb, die Decke wieder als Bestandteil der gesamten Raumkomposition wahrnehmbar zu machen.
In den Projektunterlagen wird die historische Decke als Rabitzdecke bezeichnet. Rabitzkonstruktionen sind leichte Putzkonstruktionen auf einem metallischen Träger. Diese Bauweise ermöglichte insbesondere im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert frei geformte Deckenflächen, Gewölbe und Stuckgestaltungen. Bei Arbeiten an solchen historischen Konstruktionen müssen sowohl die sichtbaren Putz- und Schmuckschichten als auch der dahinterliegende Aufbau berücksichtigt werden.
Für die Erneuerung der Elektroverkabelung werden sogenannte Fädelöffnungen in der historischen Rabitzdecke hergestellt. Über diese gezielt angelegten Öffnungen können Leitungswege erreicht und Kabel durch die vorhandenen Deckenhohlräume geführt werden. Nach Abschluss der technischen Arbeiten können die Eingriffsstellen wieder fachgerecht geschlossen und in die historische Oberfläche eingebunden werden. Der Zweck dieser Vorgehensweise ist, die technische Erneuerung mit möglichst begrenzten Eingriffen in die großflächig erhaltene Deckenkonstruktion zu verbinden.
Die historische Raumfassung der Erbauungszeit bildet den gestalterischen Bezugspunkt der Sanierung. Historische Fotografien sind hierfür eine wichtige Quelle, weil sie nicht nur einzelne Bauteile, sondern das Zusammenspiel von Decke, Wandgliederung, Leuchten, Spiegeln, Vorhängen, Mobiliar und Bodenflächen dokumentieren können. Zusammen mit Befunden am Gebäude helfen solche Quellen, frühere Raumwirkungen zu verstehen und Entscheidungen für die denkmalgerechte Instandsetzung nachvollziehbar zu machen.
Die Arbeiten im 1. Rang zeigen besonders deutlich die beiden Aufgaben der Gesamtmaßnahme: Historische Substanz und Gestaltung sollen erhalten beziehungsweise auf Grundlage gesicherter Befunde wieder stärker sichtbar gemacht werden, zugleich müssen Elektro- und Veranstaltungstechnik sowie Brandschutz den Anforderungen des heutigen Theaterbetriebs entsprechen. Die Baustelleneinhausung macht es möglich, beide Aufgaben während des laufenden Spielbetriebs miteinander zu verbinden.
Das von Lossow und Kühne errichtete Schauspielhaus wird vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen als architektonisch markanter Theaterbau seiner Zeit mit bemerkenswerter Ausstattung beschrieben. Seine Bedeutung liegt damit nicht allein in seiner Funktion als Spielstätte. Auch Architektur, Innenräume und die über mehr als ein Jahrhundert entstandenen baulichen Schichten sind Teil seiner Geschichte. Die aktuelle Sanierung setzt diese Entwicklung fort, ohne den historischen Ausgangspunkt des Hauses aus dem Blick zu verlieren.
Im 2. Rang werden die Wandelgänge und Foyerbereiche denkmalgerecht instand gesetzt. Im Mittelpunkt stehen die Oberflächen von Wänden und Decken sowie Türen und technische Installationen. Ziel ist eine Gestaltung nach dem nachweisbaren bauzeitlichen Vorbild und damit eine stärkere Annäherung an die Raumwirkung des 1913 eröffneten Schauspielhauses.
Im Zuge der vorbereitenden Arbeiten wurden ältere Farbschichten entfernt und der Bestand untersucht. Solche Arbeiten sind bei der Sanierung eines Denkmals wichtig, weil historische Farbfassungen und Materialschichten Hinweise darauf geben können, wie ein Raum ursprünglich gestaltet war und welche Veränderungen später hinzugekommen sind. Die konkrete restauratorische Bearbeitung orientiert sich am vorhandenen Bestand und an den für die Maßnahme ermittelten historischen Grundlagen.
Parallel zur Restaurierung wird die Elektroinstallation erneuert. Dafür werden zahlreiche Fädelöffnungen hergestellt. Sie schaffen punktuelle Zugänge zu vorhandenen Hohlräumen und Leitungswegen, sodass neue Kabel durch den historischen Bestand geführt werden können. Im Mittelpunkt steht dabei ein möglichst kontrollierter Eingriff in die vorhandene Bausubstanz.
Die bisherigen Garderobenbereiche wurden im Zuge der Baumaßnahme zurückgebaut. An ihrer Stelle sind neue gastronomische Ausgabebereiche vorgesehen. Spezielle Brandschutzrollos ermöglichen dabei die Verbindung der neuen Nutzung mit den brandschutztechnischen Anforderungen. Garderobe und gastronomische Versorgung werden innerhalb der Besucherbereiche neu organisiert.
Im rechten Foyer des 2. Ranges ist ein frei zugänglicher Informations- und Ausstellungsbereich vorgesehen. Er soll die Geschichte des Staatsschauspiels Dresden und des Schauspielhauses vermitteln und dabei sowohl die für das Publikum sichtbare Welt des Theaters als auch Bereiche und Arbeitsprozesse hinter der Bühne thematisieren. Damit erhält der 2. Rang neben seiner Funktion als Aufenthalts- und Erschließungsbereich eine zusätzliche Vermittlungsfunktion.
Das Schauspielhaus ist als Kulturdenkmal erfasst. Das Landesamt für Denkmalpflege hebt neben der Baugeschichte ausdrücklich die bemerkenswerte Ausstattung und die künstlerische Bedeutung des Gebäudes hervor. Bei der Sanierung geht es deshalb nicht allein um einzelne historische Bauteile. Auch das Zusammenspiel von Raumproportionen, Oberflächen, Stuck, Türen, Spiegeln, Vorhängen und Beleuchtung prägt den Charakter der Wandelgänge. Die Wiederannäherung an die Fassung von 1913 soll diese räumlichen Zusammenhänge wieder deutlicher erfahrbar machen.
Die Arbeiten im 2. Rang sind Teil einer abschnittsweisen Gesamtmaßnahme. Baustellenbereiche werden vom Publikumsverkehr getrennt, sodass die jeweils nutzbaren Besucherbereiche weiterhin zur Verfügung stehen können. Dieses Vorgehen ist ein wesentlicher Bestandteil des Bauablaufs während der Spielzeit 2026/2027 und trägt dazu bei, den regulären Spielbetrieb trotz der umfangreichen Eingriffe aufrechtzuerhalten.