Videoschnipselvorträge von Jürgen Kuttner
Handlung
Seit einem Vierteljahrhundert erklärt der Regisseur und Radiomoderator Jürgen Kuttner anhand von Videoschnipseln die Welt. Jeder Videoschnipselabend ist anders und unberechenbar, denn jeder Abend hat ein eigenes Motto, eine eigene These. So lehrreich, bizarr oder unterhaltsam diese Schnipsel auch sind, ihre wahre Wirkung entfalten sie erst in der Kommentierung durch Kuttner.
Deutschland ist nicht mehr Exportweltmeister. Das müssen wir akzeptieren. Die Zeiten, in denen wir der Welt zuverlässig Autos, Maschinen und andere Dinge geschickt haben, die nach Ingenieurleistung aussehen, sind vorbei. Irgendwo zwischen Peking und dem Bremer Containerterminal haben wir die Weltmeisterschaft verloren – und offenbar vergessen, wo genau.
Aber wir haben Erfahrung mit Exporten.
Lenin wurde einst per Zug aus der Schweiz nach Russland gebracht. Ein bemerkenswertes logistisches Unternehmen: Man nahm einen Revolutionär, setzte ihn in einen Zug und schickte ihn quer durch Europa. Die Deutsche Bahn hat daraus offenbar gelernt und beschlossen, Revolutionen, wenn überhaupt, künftig grundsätzlich mit Verspätung auszuliefern. Wobei man fairerweise sagen muss: Lenin kam an.
Dschinghis Khan ging einen anderen Weg. Kein Zug, keine Revolution, kein Fahrplan. Dafür ein Mann mit Bart, ein Haufen Männer ohne Hemd, Kostüme aus einer historischen Parallelwelt und ein Lied, das klingt, als hätte jemand den Eurovision Song Contest mit einem Reitstock überfallen.
Und trotzdem – oder gerade deshalb – wurde daraus ein deutscher Exporterfolg von erstaunlicher Reichweite. Sechs Menschen in Kostümen, ein historisch eher großzügiger Umgang mit der mongolischen Geschichte und ein Refrain, bei dem schon nach wenigen Sekunden niemand mehr weiß, ob er tanzt, lacht oder vorsichtshalber nach der Notbremse sucht.
Jürgen Kuttners neuer Videoschnipselvortrag am 24. Oktober 2026 im Kleinen Haus erzählt ein Stück deutscher Exportgeschichte und erinnert daran, dass man die Welt nicht unbedingt mit Autos, Maschinen oder Hochtechnologie erobern muss.
Manchmal reichen sechs Leute, ein bisschen Fell und ein Lied.
Dschinghis Khan: ein deutscher Export, der tatsächlich überall ankam.