Premiere 04.04.2020 › Schauspielhaus

Lulu

Handlung
„Ich habe nie in der Welt etwas anderes scheinen wollen,
als wofür man mich genommen hat, und man hat mich
nie in der Welt für etwas anderes genommen, als ich bin.“

Wer könnte sie sein, diese Lulu, Wedekinds Erfindung? Eine Kindfrau, die mit einer Mischung aus Unschuld und Verführung die Männer in ihren Bann zieht? Die Faszination des Weiblichen schlechthin? Eine Nymphomanin, ein abgründiges Monster? Oder ein pures Phantasiegebilde männlicher Lust? Die Deutungen dieser Figur sind so vielfältig wie unvollkommen. Ständig läuft Lulu Gefahr, daran zu Grunde zu gehen, denn jedermann und -frau dient sie nur als Projektionsfläche.
Allen voran dem Zeitungsverleger Schön. Er kauft Lulu fast noch als Kind ihrem Zuhälter-Vater Schigolch ab, erzieht sie, prostituiert sie, verheiratet sie – und bezahlt am Ende mit seinem Leben. Da sind bereits ein Medizinalrat und ein Maler an Lulu zerschellt, als sie ihre Freizügigkeit als Obszönität, ihre Sinnlichkeit als Begierde deuteten. Schöns Tod bringt Lulu ins Gefängnis. Daraus befreit, flieht sie mit der Schar ihrer Verehrer quer durch Europa. Als Schöns Geld verspielt ist, geht Lulu wieder auf die Straße. Einer ihrer ersten Freier ist ein gewisser Jack. Später nennt man ihn The Ripper.
21 Jahre arbeitete Frank Wedekind an der Tragödie LULU, die ihm später Theaterskandale und einen langwierigen Gerichtsprozess einbrachte. Zahlreiche Bearbeitungen, in Zensur und Selbstzensur begründet, waren die Folge. Heute gilt das Stück, das sich radikal mit überkommenen Geschlechterbildern und Moralvorstellungen auseinandersetzt, als Wedekinds Hauptwerk.
Besetzung